
Räumlichkeiten des ZMDT
Das Lenné Haus, eine historische Villa in der Konviktstraße 4, bietet seit Februar 2024 nicht nur ausreichend Platz für unsere Bedürfnisse, sondern auch ein inspirierendes Arbeitsumfeld.

Das Haus, in dem am 29. September 1789 der berühmte Garten- und Landschafts-architekt Peter Joseph Lenné geboren wurde, war kurfürstliches Gärtnerhaus. Nahe am Schloss und dem Hofgarten gelegen wohnten und wirtschafteten hier seit 1780 der Großvater Kunibert Lenné (1714–1787) und seit 1787 der Vater, Peter Joseph Lenné d. Ä. (1756–1821). Bereits 1665 war der Ur-Urgroßvater Augustin Le Nain aus der Nähe von Lüttich/Wallonie als Hofgärtner nach Bonn gekommen. Die politische Entwicklung, Ende der Kurfürstenzeit und Zuordnung des Rheinlandes zu Preußen seit dem Wiener Kongress 1815, führte Peter Joseph Lenné, die fünfte Generation der Gärtner-Dynastie-Lenné, nach Berlin bzw. Potsdam. Genau wie Beethoven war er damit 22 Jahre seines jungen Lebens Bonner gewesen.


Das Haus hatte und hat drei Etagen mit je 130 m2 Fläche und jeweils einem durchgehenden Flur in der Mitte, zahlreiche Fensterachsen, acht Dachgauben im hohen gekrüppelten Walmdach auf der Gartenseite (vgl. alte Postkartenabbildung). Im Jahr 1780 zogen zahlreiche Familienmitglieder und Mitarbeiter mit ins Haus ein; Kunibert hatte 12 Kinder. Die „Zustandstabellen“ für die Straße Am Alten Zoll listet 1790 neun Personen auf, darunter Knechte und Mägde, sowie Lehrlinge. Nebenan befand sich ein Arbeitsschuppen; vormals hatte hier eine kleine Schreinerwerkstatt für Arbeiten im Schloss gestanden und daneben das große Gebäude der Orangerie, das seit 1818 als Hörsaal u. a. diente. Es wurde 1944 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Auf seinem Grund pflanzte Graf Bernadott, Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, 1966 einen Urwelt-Mammutbaum aus Anlass des 100. Todestages von P. J. Lenné zu seinen Ehren und zu seinem Andenken.

Am 18. Oktober 1944, beim großen Bombenangriff auf die Bonner Innenstadt und Altstadt, wurde auch das Lennéhaus, wie das Hauptgebäude der Universität und der Hofgarten stark zerstört (s. Abb. — folgt). Unter der Leitung von Bauingenieur Gelderbloom wurde seit 1946 wieder aufgebaut, allerdings mit einigen Veränderungen am Haus: das Dach vereinfacht, die Zahl der Fenster und die Fenstersprossen verändert, Balkon und Garage mit Terrasse angebaut, und zwar im Hinblick auf die neue Nutzung, nämlich als Wohnung für den Kanzler der Universität und mit Blick auf das Schloss- und Hofgarten-Ensemble.

Nach dem Weggang der Familie Lenné 1812 nach Koblenz war zunächst ein Bruder des Vaters dort eingezogen. 1818 kam das Haus als Stiftungsgut ins Eigentum der neu gegründeten Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Sie gab dem Lehrstuhl der Astronomie dort zusammen mit einem Pavillon auf dem Alten Zoll Raum. Zunächst zog Professor Münchow dort ein, ihm folgte 1836–44 Karl Friedrich Argelander, der hier seine ersten Arbeiten der berühmten „Bonner Durchmusterung“ durchführte. Danach gab es wechselnde Nutzungen des Hauses, von Gleichstellungsbeauftragung, über Japanologie zu Phonetik u. a.. 2013 wurde das Lennéhaus samt Garten in die Denkmalliste eingetragen (13.7.13).
Die Lenné-Gesellschaft
Die Lenné-Gesellschaft Bonn e.V. wurde am 23. Januar 2016 am 150. Todestag Lennés gegründet, um den neben Beethoven zweiten großen Sohn präsenter zu machen, Forschungen zu seinem Leben und Werk anzuregen und zu bestreiten und seine aktuell gewordenen Ideen einer organischen Durchgrünung der Städte Gehör und Durchsetzung und nicht zuletzt auch, um dem Geburtshaus wieder Glanz und Bedeutung zu verschaffen. Aktuell hat die Lenné-Gesellschaft den kleinen Garten am Haus gemietet und ist dabei, ihn im Sinne Lennés zu gestalten. Er soll ab 2025 ein Ort der Begegnung und des Gedankenaustauschs werden.











